Das Moor, seine Geschichte & Facetten

12.000 Jahre Moorgeschichte.

Das Pfrunger-Burgweiler Ried, eine 2.300 Hektar große Moorniederung, liegt eingebettet in der von den letzten Eiszeiten geprägten Moränen- und Hügellandschaft Oberschwabens und entwickelte sich auf Jungmoränengrund. Aufgrund der Klimaveränderung schmolz der Rheingletscher und hinterliess zahlreiche Senken, Seen, Sümpfe und alpines Geröll. Gewässer verflachte immer mehr, verschiedene Pflanzen und Tiere wurden ansässig. Noch heute sind tonnenschwere Findlinge aus der Eiszeit vorhanden.

Viele Jahre wurde diesem Gebiet, welches kommunal zu Ostrach und Wilhelmsdorf gehört, das Wasser entzogen und Torfabbau betrieben. Es wurde also versucht, die Natur zu zähmen und gleichzeitig zu nutzen (z.B. Überführung in Grünland, Bestockung mit Birkenbruchwald oder Forst, Düngung, Torfabbau weiteres). Heute findet man noch rund 130 ha weitgehend ungestörte Hochmoor-Biotope.

Seit dem Jahr 1938 wird die Renaturierung, die Rückführung von Wirtschaftsgrünland in ökologisch wertvolle Moor-Biotope, des Gebietes gefördert, so dass sich die Natur wieder Raum verschaffen kann. Mehrere Naturschutzgebiete wurden ausgewiesen, Landschaftsschutzgebiete definiert und gezielt die Wiedervernässung durch Verschluss von Gräben und Dränagen eingeleitet und weitere Maßnahmen in Gang gesetzt. Dem Schwäbischen Heimatbund ist es zudem gelungen, im Pfrunger-Burgweiler Ried einen Eigenjagdbezirk zu schaffen, der für alle Tiere eine Oase der Ruhe darstellt.

Der Bereich "Kleiner Trauben", einst Hochmoor und später Torfstichgelände, liegt seit über 50 Jahren brach und entwickelte sich seither teilweise zu einem wunderbaren "Urwald" mit Birken, Kiefern, Espen und Fichten und teilweise zur Heimat von besonderen Tier- und Pflanzenarten wie z.B. der Reiherente und Schwimm- und Tauchblattgewächsen. Ausserdem dient der Kleine Trauben für Zugvögel (u.a. Kormorane und der Eisvogel) als Zwischenstation auf ihrem Weg gen Süden. 

In den Torfstichen kann man heute zahlreiche Fischarten, Reptilien, Frösche, Molche, Libellen und Insekten beobachten und entdecken. Besonders interessant ist, dass die Europäische Sumpfschildkröte hier eine Heimat gefunden hat. Diese ist aber wohl nicht Teil der ursprünglichen Tierwelt, sonden wurde von Menschenhand hierher verpflanzt.

Seit Beginn des Jahres 2002 wurde im Rahmen eines Naturschutzgroßprojektes die Verbesserung der Lebensbedingungen der moortypischen Tier- und Pflanzenarten durch gezielte Maßnahmen weiter forciert. Beispielsweise gehört hierzu auch eine ganzjährige Beweidung durch Rinder, die die Pflegearbeiten auf Grünlandflächen im Dienste des Naturschutzes übernehmen. Diese Riedweiderinder sind für viele Besucher ein wahres Highlight, da es sich um Rassen wie Scottish Highlands, Galloways, Belted Galloways, Heckrinder, Pinzgauer und Limousin handelt, die man nicht jeden Tag aus nächster Nähe zu Gesicht bekommt. 

Eine urwüchsige und wilde Moorlandschaft entsteht zunehmends im Bannwald, welcher mit 441 ha derzeit der größte Baden-Württembergs ist und mit seinen vielen verschiedenen Waldtypen wohl auch der Vielfältigste.

Heute führen sichere Wege und Bohlenstege durch das Ried zu Aussichtsplattformen und Informationstafeln und ermöglichen tiefe Einblicke in das Naturschauspiel.

 

Besonderheiten:

- Übergangsmoor mit Schwingrasencharakter
- Hochmoor, welches einst durch industriellen Torfabbau verändert wurde, mit Torfmächtigen bis zu 10 Meter Höhe
- Torfbaggerseen, welche als Rückzugsgebiete von Wasservögel dienen
- verlandete Torfstiche
- kleinflächige Zwischenmoore
- Bannwald
- Biberburgen, Storchennester, Ried-Weiderinder, seltene Tier- und Pflanzenwelt