Stabwechsel bei der Ferienregion Nördlicher Bodensee

Sandra Flucht löst am 1. Juni Werner Müller ab – Verband fördert seit 21 Jahren Tourismus in zwei Landkreisen und fünf Gemeinden.

Wald/Wilhelmsdorf – Die Ferienregion Nördlicher Bodensee steht ab 1. Juni unter neuer Leitung. Der bisherige Vorsitzende, Bürgermeister Werner Müller aus Wald (Kreis Sigmaringen), wird abgelöst von Sandra Flucht, seit vier Jahren Bürgermeisterin der Gemeinde Wilhelmsdorf (Kreis Ravensburg). Müller geht als Bürgermeister in den Ruhestand, weshalb die Führung der Tourismuskooperation in neue Hände gelegt werden muss. In der Ferienregion Nördlicher Bodensee sind die fünf Städte und Gemeinden Pfullendorf, Illmensee, Ostrach, Wald und Wilhelmsdorf vereinigt. Aufgabe ist die Bündelung touristischer Maßnahmen sowie die Entwicklung von Tourismusangeboten in dieser Kreisgrenzen überschreitenden Kooperation, die seit 21 Jahren ihre Aufgaben wahrnimmt.

„Der Staffelstab geht auf mich über“, sagte die künftige Vorsitzende Sandra Flucht beim Gespräch. Mit dabei waren der scheidende Verbandschef Werner Müller sowie  die Geschäftsführerin Ulrike Schwichtenberg. Werner Müller steht dem Verband seit Anfang 2012 vor. „Die Bemühungen, die landschaftlich überaus reizvolle Region im Hinterland des Bodensees für Urlauber attraktiv darzustellen, begannen mit Gründung des Verbands im Jahr 1999 bei Null“, blickt Werner Müller, der als Gründungsmitglied von Beginn an dabei ist, zurück. Zwischenzeitlich wurde viel erreicht. „Der Tourismus in unserer Region ist aber weiter ausbaufähig“, zeigt sich Müller sicher. Wichtig ist es ihm darzulegen, dass es bei dem touristischen Zusammenschluss der fünf Gemeinden in einer überschaubaren Größe immer ein gutes Miteinander gab. Dabei waren die Bürgermeister immer der Kopf des Ganzen. Die erfolgreiche Arbeit bettete Müller in ein Bild: „Das zarte Pflänzlein entwickelte sich zu einem ordentlichen Busch. Der muss jetzt zu einem stattlichen Baum wachsen.“

Werner Müllers Nachfolgerin Sandra Flucht griff diese Aussage auf. „Unser aller Bestreben muss es sein, den Baum dann auch zum Blühen zu bringen.“ Um dieses Ziel zu erreichen wird es eine der großen Aufgaben sein, weitere Gastgeber zu finden, die Ferienwohnungen für Urlauber anbieten. Das ist derzeit gar nicht so leicht, wie Geschäftsführerin Ulrike Schwichtenberg einwirft. Der Trend geht derzeit in Richtung fester Vermietung von Wohnungen, da die Nachfrage groß ist. Außerdem wählen vor allem jüngere Gastgeber den eigenen Weg über selbst gestaltete Internetauftritte. Diese müssten davon überzeugt werden, dass der Verband einen umfassenden Service als Gesamtpaket für Gastgeber bietet. Derzeit sind im Verbandsgebiet rund 70 Vermieter aufgelistet. Allein 17 davon sind in Wilhelmsdorf zu finden. Der Verband ist bemüht, den beteiligten Vermietern von Ferienwohnungen Hilfen anzudienen, damit diese den gestiegenen Ansprüchen der Kunden gerecht werden können. Ein Mal im Jahr gibt es einen Gastgeberabend, an dem alle Bereiche angesprochen werden können. 2019 lag die Auslastung der Ferienwohnungen laut Verband bei 31,9 Prozent, also 2,4 Tage im Durchschnitt. „Für uns ist das eine gute Zahl“, kommentiert Ulrike  Schwichtenberg diesen Wert.

Die Saison läuft hauptsächlich von Ostern bis in den Herbst hinein, wobei der Trend hin zu einer Verlängerung der Urlaubszeiten in die zweite Jahreshälfte hinein beobachtet wird. Die neue Verbandschefin Sandra Flucht hat zu Beginn ihrer Amtszeit einen Appell parat: „Um Erfolg zu haben, auch in Zeiten der Corona-Krise, ist mehr als je das Engagement der einzelnen Gastgeber gefragt, um Urlauber von ihren Angeboten zu überzeugen.“  Ergänzend sagt sie: „Die Gäste suchen das Gefühl willkommener Gast zu sein.“

Ein weiterer zentraler Punkt der Arbeit im Sinne der Ferienregion ist die Förderung des Tagestourismus. „Die Leute sollen sehen, dass im Hinterland des Bodensees guter und preiswerter Urlaub möglich ist.“ Ein Ausgangspunkt dafür ist sicherlich das Naturschutzgebiet Pfrunger-Burgweiler Ried mit dem Naturschutzzentrum am Rande von Wilhelmsdorf. Hier kann die Dauerausstellung „Moor erleben“ besichtigt werden, bevor es daran geht, die Naturschönheiten auf ausgedehnten Wanderwegen zu erkunden. Als neueste Attraktion gibt es direkt beim Naturschutzzentrum einen einzigartigen Erlebnis-Parcours für Kinder zwischen zwei und zehn Jahren, der zum aktiven Spielen einlädt. Weiterhin bietet sich Illmensee als Badeparadies an. Vom benachbarten Höchsten aus gibt es einen unübertroffen schönen Blick auf den Bodensee und das Alpenpanorama.  Ostrach bietet neben Natur Einblicke in frühere Räubergeschichten. Außerdem gibt es hier die Attraktion des fast 40 Meter hohen Bannwaldturms, von dem aus das Naturschutzgebiet aus luftiger Höhe betrachtet werden kann. Das 800 Jahre alte Pfullendorf wirbt mit seiner historischen Altstadt sowie dem Seepark Linzgau mit vielen Freizeitangeboten. Schließlich liegt die Gemeinde Wald an der oberschwäbischen Barockstraße.
Viele Pilger des Jakobsweges machen Station an der barocken Klosterkirche von Wald.

Text und Foto: Herbert Guth